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Hinweis zum Top-Embed-Modul: Dieser Artikel basiert auf dem Video „How to Create Free-Standing Lace Embroidery Earrings using Floriani Software“ vom Kanal Trevor Conkling, ist aber als eigenständige Schritt-für-Schritt-Anleitung geschrieben, die du in deinem Tempo abarbeiten kannst.
Freistehende Spitzen-Ohrringe (FSL) wirken filigran und „fortgeschritten“ – mit dem richtigen Stickvlies, einer klaren Stickreihenfolge und ein paar gezielten Software-Funktionen wird daraus jedoch ein reproduzierbares Rezept statt ein Glücksspiel.
Wenn dir FSL schon einmal nach dem Auswaschen „auseinandergefallen“ ist oder Kanten weich und instabil wurden, ist diese Anleitung genau dafür gedacht.
Was du lernst
- Wie du wasserlösliches Stickvlies korrekt einspannst, damit die Spitzenstiche sauber und nicht wellig werden.
- Einen vollständigen Workflow für FSL-Ohrringe: inkl. optionalem Mylar-Glanz und Kristall-Verzierung.
- Sauberes Finish bei FSL: Zurückschneiden, Auflösen des Vlieses in sehr heißem Wasser, Trocknen und Montieren der Ohrhaken.
- Wie du in Floriani FTCU mit Auto Lace, Auto Lace Background, Mesh Steel und Mesh Fill aus Artwork zuverlässige freistehende Spitze machst.
- Woran du erkennst, ob Stabilisierung/Einspannen/Designstruktur die Ursache für schwache Stellen ist – und wie du gezielt nachbesserst.

Die Magie der freistehenden Spitze (FSL) verstehen
Freistehende Spitze (Free-Standing Lace, FSL) ist Maschinenstickerei, die nach dem Auswaschen des wasserlöslichen Stickvlieses „von selbst“ steht. Es wird also nicht in Stoff eingebunden – die Fadenstruktur ist das Material. Genau deshalb sind Einspannspannung, Stichdichte und Unterlage (Underlay) bei FSL entscheidend: Nach dem Auswaschen hält nur noch die Fadenarchitektur.
Im gezeigten Workflow wird auf ein wasserlösliches Stickvlies gestickt und das Vlies anschließend in sehr heißem Wasser aufgelöst. Übrig bleibt ein weiches, aber stabiles Spitzenteil, das du zu Ohrringen, Anhängern, Ornamenten oder kleinen Geschenken verarbeiten kannst.
Softwareseitig bietet Floriani Total Control U (FTCU) mehrere Funktionen speziell für FSL: Auto Lace wandelt Artwork in eine Spitzenfüllung um; Auto Lace Background legt um ein bestehendes Stickmotiv eine tragende Spitzenfläche; Mesh Steel erzeugt stabile, spitzenartige Konturen mit spezieller Unterlage; und Mesh Fill erstellt offene, dekorative Netze, die – je nach Effekt – sogar Mylar „mitnehmen“ können.

Versteckte Verbrauchsmaterialien & kurze Vorab-Checks
Bevor du überhaupt in die Software gehst, helfen ein paar „unsichtbare“ Faktoren, die bei FSL oft über Erfolg oder Frust entscheiden:
- Fadenpaarung: Für freistehende Spitze empfiehlt sich – wie im Video gezeigt – Unterfaden passend zum Oberfaden (Farbgleichheit), damit die Ohrringe von beiden Seiten sauber aussehen.
- Stickvlies-Logik: Für FSL brauchst du ein wasserlösliches Stickvlies, das dichte Stiche tragen kann und sich danach sauber auflöst. Im Video wird Floriani Wet-and-Gone verwendet.
- Mylar als Effektfilm: Mylar wird (optional) vor der ersten Farbe aufgelegt, durch die ersten Stiche fixiert und danach wieder abgerissen – es wirkt wie ein dekorativer „Topper“.
- Kleine Werkzeuge: Feine Schere und Pinzette sind Gold wert, um Mylar-Reste und Fadenenden zu entfernen, ohne Stiche zu beschädigen.
Kurz-Check vor dem Start: Stickvlies straff eingespannt, Ober-/Unterfaden passend, Unterfadenspule ausreichend gefüllt, Design passend zur Rahmengröße positioniert.

Entscheidungslogik: Stickvlies, Einspannen und Stabilität
Mit dieser einfachen Logik vermeidest du typische Strukturprobleme bei FSL:
- Wenn dein Stickvlies im Stickrahmen nachgibt (Wellen/„Bauch“), dann neu einspannen und – wie im Video – mit Perfect Grip Tape nachhelfen, bis es wirklich straff sitzt.
- Wenn du Passerprobleme siehst (Konturen treffen nicht sauber), ist das oft ein Einspann-Thema: Je reproduzierbarer das Einspannen, desto stabiler die Passgenauigkeit. Eine feste Einspannhilfe wie eine machine embroidery hooping station kann dabei helfen, das Stickvlies wiederholbar gerade und gleichmäßig zu spannen.
- Wenn du das Stickvlies im Standardrahmen schwer gleichmäßig greifen kannst, kann ein Umstieg auf kompatible Magnetrahmen die Handhabung erleichtern (gleichmäßiger Druck statt „Zerren“).
Schritt-für-Schritt: FSL-Ohrringe herstellen
Hier geht es um den praktischen Teil: Einspannen, Sticken mit optionalem Mylar und der Aufbau der Lagen von Basis bis Deko.
Einspannen & Stickvlies-Grundlagen
Die Basis für saubere FSL ist ein straff eingespanntes wasserlösliches Stickvlies. Im Video wird Floriani Wet-and-Gone verwendet und mit Floriani Perfect Grip Tape am Stickrahmen zusätzlich gesichert, damit es „trommelfest“ bleibt.
Ziel: eine plane, feste Fläche, die während dichter Spitzenstiche nicht nachgibt.

Schnelltest: Nach dem Einspannen leicht in der Mitte drücken – das Stickvlies darf nicht nachrutschen oder Falten werfen. Wenn doch: neu einspannen. Wenn du dabei Unterstützung brauchst, kann eine Einspannhilfe wie eine hoop master embroidery hooping station helfen, den Rahmen stabil zu halten, während du den Innenring gleichmäßig eindrückst.
Warnung: Beim Spannen und Festziehen Finger von Rahmenkanten/Schrauben fernhalten. Später gilt: Hände nie im Stickbereich, wenn die Maschine laufen kann.
Optionaler Glanz: Mylar vorbereiten
Als Nächstes bereitest du Fäden und optional Mylar vor. Im Video werden Ober- und Unterfaden farblich passend gewählt, damit die Spitze beidseitig sauber wirkt. Mylar wird vor der ersten Farbe glatt über das eingespanntes Stickvlies gelegt und dient als Glanzeffekt, der später größtenteils wieder entfernt wird.

Lege das Mylar glatt auf, ohne harte Knicke, und achte darauf, dass die komplette Fläche der ersten Farbe abgedeckt ist.
Schnelltest: Wenn deine Maschine eine Umrandungs-/Rahmenfahrt (Trace) kann: einmal abfahren lassen und prüfen, ob Mylar überall unter der ersten Farbe liegt.
Stickreihenfolge: Von Basis bis „Bling“
Die Reihenfolge im Video ist klar und bewährt:
- Erste Farbe über Mylar: Die Basis wird über dem Mylar gestickt – dadurch wird der Film fixiert.
- Rahmen abnehmen & Mylar abreißen: Stickrahmen abnehmen und überschüssiges Mylar um das Motiv herum vorsichtig abreißen.
- Mylar- und Fadenreste säubern: Mit feiner Schere/Pinzette kleine Reste entfernen; Rückseite von losen Fäden säubern.
- Randfarbe: Stickrahmen wieder an die Maschine, Rand sticken – das definiert die Kante sauber.
- Dekorfarbe: Zum Schluss die Zierdetails obenauf sticken.



Warnung: Beim Schneiden immer vom Körper/der Hand weg arbeiten. Nie unter die Nadel greifen, wenn die Maschine eingeschaltet ist.
Optional: In Serie sticken (Batch)
Wenn ein Paar gut klappt, kannst du den Stickrahmen effizient nutzen und mehrere Motive in einem Durchlauf sticken. Im Video wird ein voller Stickrahmen mit sechs Ohrring-Motiven gezeigt.

Bei Serienläufen unbedingt prüfen: Unterfadenspule reicht, und das Stickvlies ist über die gesamte Fläche straff. Lange, dichte Sticksequenzen „entlarven“ jede schwache Einspannung.
Start-Checkliste:
- Stickvlies straff eingespannt, keine Falten.
- Ober- und Unterfaden farblich passend.
- Mylar (falls genutzt) deckt die erste Farbe vollständig ab.
- Unterfadenspule ausreichend gefüllt (bei Batch entsprechend mehr).
Finish: So wird aus Spitze tragbarer Schmuck
Nach dem Sticken kommt der Teil, der FSL wirklich „freistehend“ macht: Zurückschneiden, Vlies auflösen, trocknen, montieren.
Rückseite säubern & Stickvlies auflösen
Nach dem Sticken nimmst du den Stickrahmen ab und trennst die gestickten Teile aus der Vliesfläche. Schneide überschüssiges wasserlösliches Stickvlies um jedes Motiv herum zurück und entferne auf der Rückseite kleine Vernähknoten/Anfangs- und Endfäden (tie-ins/tie-offs) so nah wie möglich, ohne Hauptstiche zu verletzen.

Dann kommen die Teile in sehr heißes Wasser. Im Video löst sich das Stickvlies in nahezu „dampfend heißem“ Wasser fast sofort auf – übrig bleibt nur die Fadenstruktur.

Schnelltest: Die Spitze zwischen den Fingern ganz sanft reiben. Fühlt sie sich noch „glatt/schmierig“ oder stellenweise steif an, ist noch Vlies vorhanden: Wasser erneuern und etwas länger einlegen.
Warnung: Sehr heißes Wasser kann verbrühen. Wasser einlaufen lassen, dann abstellen; die Teile mit Löffel/Werkzeug bewegen statt mit den Fingern im heißen Wasser zu arbeiten.
Trocknen & Ohrringteile montieren
Lege die nassen Spitzenteile auf Küchenpapier und tupfe sie vorsichtig ab (nicht wringen). Im nassen Zustand ist FSL weich und kann sich leicht verziehen.

Anschließend vollständig an der Luft trocknen lassen – im Video wird „über Nacht“ genannt. Trocken sollten die Teile formstabil genug sein, um sie zu handhaben und zu montieren.
Jetzt kannst du Ohrhaken/Ösen anbringen und verzieren. Im Video wird ein Floriani Crystal Embellisher genutzt, um Swarovski-Kristalle aufzubringen.

Schnelltest: Vor dem Montieren jedes Teil gegen das Licht prüfen: Gibt es gebrochene „Brücken“ oder lose Stiche? Dann dieses Teil aussortieren oder sehr vorsichtig nacharbeiten.
Trocknungs-Checkliste:
- Überschüssiges Vlies sauber zurückgeschnitten.
- Vlies vollständig aufgelöst.
- Teile flach liegend getrocknet, nicht geknickt.
- Teile liegen getrennt, damit nichts zusammenklebt.
Floriani FTCU: FSL-Digitizing-Werkzeuge sicher einsetzen
Der zweite Teil des Videos zeigt, wie du in FTCU Designs so aufbaust, dass sie als echte freistehende Spitze funktionieren – also nicht nur „irgendwie“ gestickt werden, sondern nach dem Auswaschen stabil bleiben.
Auto Lace: Formen als Spitzenfüllung umsetzen
Ausgehend von einer einfachen Artwork-Form (im Video ein Kaktus) wählst du die Form aus und klickst in FTCU auf Auto Lace. Die Software wandelt das Artwork sofort in eine Spitzenfüllung um (z. B. gitterartig), passend für FSL.

Du kannst außerdem per Rechtsklick eine Single-Color-Lace-Option wählen, wenn du weniger Farbwechsel möchtest – praktisch für Ohrringe, die schnell und sauber laufen sollen.
Schnelltest: In der Vorschau hineinzoomen: Sind die Stiche gut „verzahnt“ und ohne große, unverbundene Löcher? Große ungestützte Bereiche sind ein Risiko, dass die Spitze nach dem Auswaschen instabil wird.
Wenn du häufig mehrere Test-Stickläufe vergleichst, kann eine feste hooping stations-Arbeitsweise am Tisch helfen, Einspannen und Positionierung reproduzierbar zu halten.
Auto Lace Background: Bestehende Motive freistehend machen
Wenn du ein normales Stickmotiv hast, das nicht als FSL gedacht war, kannst du mit Auto Lace Background eine tragende Spitzenfläche darum erzeugen.
Im Video wird ein Motiv zunächst normal gefüllt und anschließend Auto Lace Background angewendet. Du stellst dabei u. a. den Abstand (Offset, z. B. einige Millimeter) und eine Form (z. B. abgerundetes Rechteck) ein. Das Ergebnis ist ein Spitzenhintergrund, der das Motiv „trägt“, sodass es freistehend werden kann.

Schnelltest: Prüfe, ob der Spitzenhintergrund weit genug über das Motiv hinausgeht, um eine stabile Außenkante zu bilden – aber nicht so weit, dass es unnötig dick wird oder viel Garn verbraucht.
Mesh Steel & Mesh Fill: Fortgeschrittene Spitzenstrukturen
Mesh Steel dient für stabile, spitzenartige Konturen mit spezieller Unterlage. Im Video wird die Breite erhöht, damit genügend Überlappung/Verbindung entsteht, und „omit steel finish“ aktiviert, um den Satin-Finish wegzulassen und eine offenere, spitzigere Kontur zu erhalten.
Das ist besonders hilfreich, wenn du eine filigrane Außenlinie willst, die nach dem Auflösen des Stickvlieses trotzdem zusammenhält.
Mesh Fill erzeugt offene, dekorative Füllungen. Du kannst aus verschiedenen Mustern wählen, um einen luftigen Look zu bekommen oder – je nach Effekt – Mylar optisch einzubinden.
Schnelltest: Bei Mesh Steel: Ist die Breite großzügig genug und ist die Unterlage in der Vorschau erkennbar? Bei Mesh Fill: Ist das Muster offen genug für den gewünschten Look, aber nicht so offen, dass es nachgibt?
Wenn du viele Varianten testest, hilft ein reproduzierbarer Einspann-Workflow – z. B. mit einer hoopmaster-artigen Vorrichtung – dabei, Unterschiede wirklich auf das Design zurückzuführen und nicht auf wechselnde Einspannung.
Arbeits-Checkliste (vor dem Export):
- Richtige Objekte ausgewählt (keine „versteckten“ Restformen).
- Auto Lace / Auto Lace Background / Mesh Steel / Mesh Fill wie geplant angewendet.
- Breiten/Offsets auf Stabilität geprüft.
- Farbwechsel sinnvoll reduziert.
Mehr als Ohrringe: FSL-Projektideen
Wenn der Ohrring-Workflow sitzt, kannst du dieselben Prinzipien auf viele kleine FSL-Projekte übertragen. Im Video sieht man u. a. Schneeflocken, Herzen und weitere Motive – ideal als Anhänger, Ornamente oder kleine Geschenke.
FSL ist außerdem eine gute Spielwiese für Garnfarben und Texturen, weil du nicht an ein Kleidungsstück gebunden bist. Und wenn du in Serien arbeitest, kannst du ganze Bögen mit Motiven sticken und später einzeln ausarbeiten.
Wenn du sehr viele identische Teile produzierst, denken viele Anwender irgendwann über effizientere Einspann- und Maschinenabläufe nach (z. B. größere Rahmenflächen oder schnelleres Umspannen).
Für ein gleichmäßigeres Einspannen kann ein Wechsel von Standardrahmen zu embroidery hoops magnetic-Optionen (passend zur jeweiligen Maschine) in der Praxis hilfreich sein – gerade bei dichten Spitzenmotiven, wo jede kleine Welle sichtbar wird.
Floriani Software Club: Designs & Updates
Zum Schluss verweist das Video auf den Floriani Software Club: Als FTCU-Besitzer bekommst du monatliche Designs, Trainingsvideos und Software-Updates ohne Zusatzkosten. Gerade für FSL ist das wertvoll, weil du an professionell digitalisierten Spitzenmustern sehen kannst, wie stabile Verbindungen und sinnvolle Dichten aufgebaut sind.
Regelmäßige Updates bedeuten außerdem, dass sich Funktionen und Workflows weiterentwickeln – vor größeren Projekten lohnt sich ein Blick auf die aktuelle Version.
Wenn du beim Lernen deine Einspannung stabilisieren willst, kann auch ein magnetic embroidery hoops-Setup langfristig in deinen Workflow passen – sobald du die Grundlagen (Vlies, Reihenfolge, sauberes Finish) sicher beherrschst.
Warnung: Magnetrahmen haben starke Magnete. Quetschgefahr für Finger; Magnete seitlich auseinander schieben statt abziehen; fernhalten von empfindlicher Elektronik/Datenträgern.
Ergebnis & Übergabe
Wenn du die Reihenfolge aus dieser Anleitung einhältst – straffes Einspannen auf wasserlöslichem Stickvlies, kontrollierter Mylar-Einsatz, sauberes Zurückschneiden, Auflösen in sehr heißem Wasser und vollständiges Trocknen über Nacht – kannst du freistehende Spitzen-Ohrringe zuverlässig und in gleichbleibender Qualität herstellen.
Softwareseitig machen Auto Lace, Auto Lace Background, Mesh Steel und Mesh Fill aus FTCU ein starkes FSL-Werkzeug: Starte mit einfachen Formen, sticke kleine Tests, und bewerte nach dem Auswaschen, welche Struktur bei deinem Stickvlies und deiner Maschine am stabilsten bleibt.
Mit etwas Routine wird FSL von „Spezialprojekt“ zu einem verlässlichen, geschenktauglichen Standard – und zu einer der schönsten Möglichkeiten, die Möglichkeiten von Floriani-Software und Stickmaschine sichtbar zu machen.
