My Block Piecer Tutorial: Eine nummerierte Quiltblock-„Map“ erstellen (für einen sauberen ITH-Stickablauf)

· EmbroideryHoop
Lerne, wie du in My Block Piecer innerhalb von Embroidery Tool Shed eine nummerierte „Map“ (Ablaufplan) für einen In-the-Hoop-Quiltblock erstellst: Block auswählen, exakte Größe festlegen (6x6), Stoffe digital vorab prüfen, Workflow automatisch aufbauen, Stichreihenfolge sortieren und anschließend eine PDF exportieren, die dich Schritt für Schritt durch den Stickablauf führt. Zusätzlich bekommst du praxisnahe Hinweise zu Vorbereitung, Einspannen, Stickvlies-Auswahl und typischen Stolpersteinen – besonders dann, wenn du mehrere Blöcke effizient und reproduzierbar sticken willst.
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Inhaltsverzeichnis

Masterclass: ITH-Quiltblöcke visualisieren und sauber umsetzen

Ein Praxisleitfaden für den „My Block Piecer“-Workflow

Wenn du schon einmal einen In-The-Hoop-(ITH)-Quiltblock gestickt hast und am Ende auf ein Knäuel aus Faden, verrutschte Stoffkanten oder „irgendwie passt das nicht“-Nähte geschaut hast: Das ist ein Klassiker. Die Frustzone liegt genau zwischen dem, was du am Bildschirm siehst, und dem, was später unter der Nadel passiert.

In dieser Masterclass – basierend auf einer Demo von Sue (OML Embroidery) mit dem Add-on My Block Piecer in Embroidery Tool Shed – schließen wir diese Lücke. Wir klicken nicht nur Menüpunkte an, sondern bauen uns einen produktionsfähigen Ablaufplan, den du an der Maschine wirklich abarbeiten kannst.

Du lernst:

  1. Auswählen & Größe fixieren: Design wählen und Maße so festlegen, dass es real in deinen Stickrahmen passt.
  2. Visualisieren: Stoffe digital vorab prüfen, bevor du auch nur ein Stück zuschneidest.
  3. Reihenfolge sichern: Mit „Auto Build“ verhindern, dass du eine Naht stickst, bevor der Stoff überhaupt platziert ist.
  4. Umsetzen: Die PDF-Map als klare Operator-Anleitung für einen sauberen Stickablauf nutzen.
Sue speaking to the camera introducing the topic of quilt block maps.
Introduction

Perspektive aus der Praxis: Betrachte den Software-Workflow wie einen Flugplan. Ist der Plan unklar, „stürzt“ das Flugzeug – deine Stickmaschine – ab. Wir legen die Koordinaten jetzt sauber fest, damit du später an der Maschine im Rhythmus arbeiten kannst, statt im Kopf ständig „Was kommt als Nächstes?!“ zu spielen.

Splash screen of the Embroidery Tool Shed software.
Software Launch
Cover art for 'My Block Piecer' software displayed on screen.
Software Identification

Quiltblock auswählen und korrekt dimensionieren

Schritt 1 — Blockdesign aus der Bibliothek auswählen

Sue startet in der Bibliotheksstruktur. In der Stickpraxis gilt: Komplexität ist beim Lernen nicht dein Freund. Deshalb geht sie sinnvollerweise in die Kategorie Basic und wählt Nested Triangles.

Warum das wichtig ist: Ein „Basic“-Block lässt dich die Physik von Flip-and-Fold/Flip-and-Sew verstehen – wie der Stoff durch den Transport minimal „wandert“, wo Volumen entsteht, wie sich Lagen aufbauen – ohne dass dich ein extrem dichter Stichplan zusätzlich stresst.

Schritt-für-Schritt (mit Kontrollpunkten):

  1. Bibliotheksbaum öffnen (achte auf die Plus-Symbole zum Aufklappen).
  2. Basic > Nested Triangles auswählen.
  3. Sichtkontrolle: Der Block muss im Arbeitsbereich auf dem Raster erscheinen – als saubere, flache 2D-Darstellung.
The Quilt Blocks library menu showing various categories like Basic, Animals, Baskets.
Library Navigation
Visual grid showing different 'Basic' quilt block patterns available.
Pattern Selection
The dimensions input area at the bottom of the dialog box set to 8x8.
Resizing
Selecting the 'Nested Triangles' block from the list.
Final Selection
The selected quilt block appears on the main design workspace.
Design Loaded

Schritt 2 — Exakte Blockgröße festlegen (die „Sweet-Spot“-Strategie)

Sue stellt den Block auf 6,00 x 6,00 inch ein.

Wichtiger Praxis-Hinweis: Digital sind 6 inch eben 6 inch. An der Maschine brauchst du aber um das Motiv herum Platz – u. a. für den Nähfuß/Stickfuß und damit der Rahmen nicht kollidiert.

Konkrete Umsetzung:

  • Wenn du mit einem physischen Zuschnitt-/Stanzsystem arbeitest (z. B. AccuQuilt), trage hier die exakten Maße ein, damit digital und physisch zusammenpassen.
  • „Buffer“-Regel: Stelle sicher, dass dein realer Stickrahmen ein Stickfeld hat, das größer als der Block ist. (Sue zeigt die Größenwahl im Dialog; die Grundidee ist: nicht „auf Kante“ planen.)

Pro-Tipp für Serienfertigung: Wenn du 20+ Blöcke für eine Decke sticken willst, ist die Größe dein „Point of No Return“. Änderst du später die Maße, musst du konsequent alle Folgedateien/Varianten ebenfalls anpassen.

Viele Profis nutzen in dieser Phase eine Einspannstation für Maschinenstickerei: Wenn die Blockgröße feststeht, kannst du die Vorrichtung einmal einstellen und danach jeden Block reproduzierbar an derselben Position einspannen – das hilft enorm, damit Ecken/Nahtverläufe später sauber zusammenpassen.

Stoffvorschau digital anpassen

Schritt 3 — Stoffvorschau anwenden und Maßstab einstellen

Visualisierung spart Material. Sue markiert einzelne Vektorflächen im Block, weist die Eigenschaft Fabric zu und stellt den Maßstab auf 27%.

Der entscheidende Denkwechsel: Das ist nicht nur „hübsch“. Du prüfst damit vor allem Kontrast und Mustermaßstab.

  • Achte auf: Haben benachbarte Stoffe genug Kontrast, damit du Kanten/Nahtlinien später optisch sauber erkennst?
  • Schnelltest: Wenn zwei Flächen am Bildschirm schon „matschig“ wirken, werden sie im echten Block meist noch weniger unterscheidbar.
The fabric selection palette showing various digital fabric swatches.
Fabric Customization
The quilt block fully rendered with the chosen floral fabric pattern.
Looking at fabric preview

Reality-Check: Der Bildschirm ist hinterleuchtet, Stoff ist frontbeleuchtet. Farben wirken am Monitor fast immer kräftiger. Nutze diesen Schritt daher primär für Mustergröße (z. B. „Ist der Blumenprint zu groß für das Dreieck?“) und für Kontrast – nicht für 1:1-Farbtreue.

Workflow automatisch aufbauen und Nummern sortieren

Schritt 4 — Workflow erzeugen (die Logik-Engine)

Das ist das Herzstück für ITH. Sue klickt Workflow, dann Auto build und anschließend Sort numbers.

Warum „Sort numbers“ Pflicht ist: In klassischer Stickerei wird die Reihenfolge oft nach Farbwechsel-Effizienz optimiert. Bei ITH-Quilting wird die Reihenfolge durch Konstruktionslogik bestimmt:

  • Schritt 1: Platzierungslinie (wo kommt das Stoffstück hin?)
  • Schritt 2: Fixier-/Tackdown-Naht (Stoff wird festgenäht)
  • Schritt 3: Falten/Umlegen und nächste Lage

Ohne „Sort numbers“ kann es passieren, dass die Maschine eine Fixiernaht sticken will, bevor du das entsprechende Stoffstück überhaupt aufgelegt hast.

Mouse hovering over the 'Workflow' button in the toolbar.
Initiating Workflow
Clicking the 'Auto build' button in the workflow panel.
Generating Data
Clicking the 'Sort numbers' button.
Optimizing

Produktionsblick: Wenn die nummerierte Liste einmal stimmt, hast du einen wiederholbaren Prozess. Aber: Wiederholbarkeit in der Software bringt dir wenig, wenn du die Lagen nicht reproduzierbar und stressfrei einspannen kannst.

Das „Bulk“-Problem (Lagenaufbau): Quiltblöcke bedeuten Vlies + ggf. Volumenvlies/„Batting“ + Stofflagen. Standard-Stickrahmen arbeiten mit Reibung und Schraube.

  • Typischer Schmerzpunkt: Bei dickeren Sandwiches entstehen schneller Rahmenspuren/Rahmenabdrücke oder du musst beim Einspannen stark drücken.
  • Warum viele umsteigen: In der Serienpraxis werden dafür häufig Magnetrahmen für Stickmaschine genutzt, weil die magnetische Klemmkraft Lagen gleichmäßiger hält und weniger „Zerren“ beim Einspannen nötig ist.

Export und Arbeiten mit der PDF-Map

Vorbereitung (der „Pre-Flight“-Check)

Bevor du exportierst, müssen wir die physischen Variablen ansprechen, die keine Software kontrolliert. Ein Fehler in einem Quiltblock kann sich später über Jahre bemerkbar machen.

Praxis-Set (was du griffbereit haben willst):

  • Nadeln: Nutze eine Topstitch 90/14 oder Quilting 90/14 – das größere Öhr reduziert Reibung, gerade bei Volumen.
  • Fixierung: Temporärer Sprühkleber (z. B. Odif 505) oder ein Stoffklebestift, um Lagen vor dem Tackdown ruhig zu halten.
  • Garn: 50wt Baumwolle ist klassisch fürs Quilten, 40wt Polyester ist oft robuster. Achte auf ausgewogene Unterfadenspannung.
  • Werkzeug: Gebogene Stickschere/Applikationsschere zum Zurückschneiden nah an der Tackdown-Naht, ohne ins Vlies zu schneiden.

Warnung: Mechanische Sicherheit
Bei ITH arbeitest du häufig im Rahmenbereich (auflegen, glattstreichen, trimmen). Maschine immer stoppen, bevor deine Hände in den Arbeitsbereich gehen. Nicht „im Bereitschaftszustand“ trimmen.

Stickvlies-Entscheidung (die technische Basis)

Dein Stickvlies ist das Fundament. Ist es zu schwach, verzieht sich der Block.

Entscheidungsmatrix: Was kommt unter den Block?

  1. Standard-Baumwollblock mit Batting/Volumen?
    • Option A: No-Show Mesh (Poly Mesh) – bleibt weich und trägt weniger auf.
    • Option B: Tearaway – kann für festere Projekte funktionieren, kann aber beim Abreißen Stress auf Nähte geben.
  2. Dichtes, stichlastiges Motiv (z. B. „Crazy Quilt“-Stil)?
    • Anforderung: Heavy Cutaway – maximale Stabilität gegen Verzug.
  3. Problem „Hoop Pop“ (Rahmen springt/öffnet sich bei Dicke)?
    • Diagnose: Passiert es mitten im Sticklauf, wenn du über Nahtkreuzungen kommst?
    • Ansatz: Ein Magnet-Stickrahmen kann bei wechselnder Materialdicke stabiler klemmen als ein klassischer Schraubrahmen.

Schritt 5 — Vorschau prüfen, speichern und PDF-Anleitung erzeugen

Sue prüft die Reihenfolge (1, 2, 3 …) in der Vorschau und speichert. Dabei werden die .C2S-Datei und die PDF erzeugt.

Praxisregel: Verlass dich nicht nur auf die Bildschirmansicht. Die PDF ist dein „Operator Sheet“.

The preview pane showing the generated wireframe map with numbers 1 through 5.
Reviewing map
The 'Save As' dialog box where the user names the file 'testing 2'.
Saving File

Schritt 6 — Die PDF-Map als „Operator Sheet“ an der Maschine nutzen

Drucke die PDF aus. Sie enthält die Map und die Material-/Stoffanforderungen.

Arbeitsroutine: Lege die PDF neben die Maschine. Wenn die Maschine den nächsten Schritt/Wechsel anzeigt, vergleichst du mit der entsprechenden Nummer in der PDF. Passt es: weiter. Passt es nicht: sofort stoppen und prüfen, bevor du Stoff falsch platzierst.

The generated PDF instruction sheet displaying the fabric block preview.
Documentation Review
The PDF showing the 'Map' section.
Reviewing Map instructions
Close up of the step-by-step numbered instructions in the PDF.
Reading Steps

Checkliste: Vorbereitung (bevor du an die Maschine gehst)

  • Datei: Ist das richtige Format (DST, PES usw.) auf der Maschine/USB?
  • Nadel: Ist die Nadel frisch? (Wenn sie „hakt“ oder du Aussetzer siehst: wechseln.)
  • Unterfaden: Ist die Unterfadenspule mindestens halbvoll? (Mitten im Block leer laufen ist extrem ärgerlich.)
  • Einspannen: Sitzt Vlies/Lagen stabil und gleichmäßig? (Nicht wellig, nicht verzogen.)

Checkliste: Software-Phase

  • Größe: Passt die Blockgröße (inkl. Reserve) in dein reales Stickfeld?
  • Reihenfolge: „Auto build“ und „Sort numbers“ ausgeführt?
  • Export: PDF-Anleitung erzeugt?

Checkliste: Sticklauf (ITH-Abarbeitung)

  • Platzierung: Schritt 1 (Platzierungslinie) sticken.
  • Fixieren: Stoff/Batting so auflegen, dass die Linie sicher abgedeckt ist; bei Bedarf fixieren.
  • Tackdown: Schritt 2 (Fixiernaht) sticken.
  • Trimmen: Rahmen entnehmen/zugänglich machen und Überstand sauber zurückschneiden.
  • Abhaken: Jeden Schritt auf der PDF abhaken, bevor du weitergehst.

Warnung: Umgang mit Magnetrahmen
Wenn du auf Magnetrahmen umsteigst: vorsichtig arbeiten. Die Magnete sind stark, können Finger einklemmen und u. a. Uhren/Karten beeinflussen. Bei Herzschrittmachern Sicherheitsabstand einhalten.

Troubleshooting: „Warum passiert das?“ – Schnellhilfe

Wenn etwas schiefgeht, ist es nicht automatisch die Software. Viele Probleme sind physisch (Einspannen, Stabilisierung, Fadenführung).

Symptom Wahrscheinliche Ursache Schnelllösung
Verrutschte Konturen Rahmenbewegung/zu wenig Halt. Rahmen korrekt einspannen und prüfen, ob dein Magnetrahmen für Stickmaschine sauber sitzt.
Fadennest (unten) Oberfaden falsch eingefädelt/Spannung nicht aktiv. Oberfaden neu einfädeln – mit Nähfuß oben, damit die Spannungsscheiben greifen.
Wellen/Puckern Stickvlies zu schwach oder falsch kombiniert. Von Tearaway auf Cutaway wechseln bzw. stabiler aufbauen.
Block wird nicht „square“ Stoff wurde beim Einspannen gezogen oder beim Platzieren verzerrt. Stoff nicht stramm ziehen; glatt auflegen.

Effizienz-Pfad (wenn du skalieren willst)

Wenn ein Block klappt, willst du meist mehr (20+). Dann werden kleine Reibungsverluste schnell zum Engpass.

  1. Level 1: Ergonomie & Handling
    Wenn dir das Schrauben-Anziehen auf die Handgelenke geht oder du bei Quiltstoffen häufig Rahmenspuren/Rahmenabdrücke siehst, lohnt sich der Blick über Standardrahmen hinaus. Begriffe wie dime Magnetrahmen tauchen nicht ohne Grund auf – sie können das Einspannen dicker Lagen deutlich entspannen.
  2. Level 2: Produktionsdenken
    Wenn du mehr Zeit mit Farbwechseln als mit Sticken verbringst, ist das ein Workflow-Thema. Für Serien sind Mehrnadelstickmaschinen im Vorteil, weil mehrere Farben gleichzeitig gerüstet bleiben.

Ergebnis

Mit Sues Workflow in My Block Piecer wird aus einer Idee eine sauber strukturierte 6x6-inch-Datei: Du hast eine skalierbare Stoffvorschau, eine logisch sortierte Reihenfolge und eine PDF-Map, die dich wie ein Operator Sheet durch den ITH-Ablauf führt.

Und trotzdem gilt: Die Datei ist nur so gut wie die Ausführung. Mit passender Stabilisierung, frischer Nadel und – wenn du viel produzierst – einem Magnetrahmen für Stickmaschine-System für entspannteres Einspannen wird aus „hoffentlich klappt’s“ ein reproduzierbarer Prozess.

PDF neben die Maschine, Schritte konsequent abhaken – und dann macht ITH-Quilting richtig Spaß.