Table of Contents
- Was ist Mylar-Stickerei?
- Vorbereitung & Material
- Einrichtung der Maschine & Datei
- Schritt-für-Schritt: Mylar sticken
- Kontrast, Garnwahl & Designwirkung
- Digitalisieren: Mylar-Füllung und Rope Stitch
- Pflege: Waschen, Trocknen, Hitze vermeiden
- Ergebnisse & Ideen mit Organza
- Troubleshooting & Qualitätskontrolle
1 Was ist Mylar-Stickerei?
1.1 Grundprinzip
Mylar ist eine dünne, reflektierende Folie (vergleichbar mit Luftballon-Material). Bei der Mylar-Stickerei legst du diese Folie auf den eingepannten Stoff, lässt eine dafür geeignete Füllung sticken und ziehst anschließend das ungestickte Mylar außen ab – übrig bleibt eine glänzende Fläche unter den Stichen. Das Ergebnis wirkt metallisch, obwohl normales Stickgarn verwendet wird.

1.2 Was der Glanz erfordert
Damit der Glanz sichtbar wird, muss die Füllstruktur Licht durchlassen und die Folie darunter freigeben. Die Kontur (hier als Rope Stitch gezeigt) liegt später über der Füllung und rahmt die Form sichtbar ein. Der Effekt steht und fällt mit der passenden Farbkombination – mehr dazu in Kapitel 5.

1.3 Beispiele aus der Praxis
Im gezeigten Projekt ist es ein Tannenbaum-Motiv: Einmal wirkt Silber auf Blau eher zurückhaltend; ein anderes Mal lässt sich Grün auf Blau schwer erkennen – beides sind Konstellationen mit zu wenig sichtbarem Kontrast. Der goldene Baum auf schwarzem Filz dagegen leuchtet deutlich.

2 Vorbereitung & Material
2.1 Materialien im Überblick
- Stoffträger (im Beispiel: schwarzer Filz bzw. blaues Gewebe)
- Mylar-Folie (z. B. gold, silber, grün; Mylar für Stickerei ist etwas stärker)
- Normales Stickgarn für Füllung und Kontur
- Stickdatei des Motivs (im Beispiel: Tannenbaum, Designgröße ca. 4,16″ laut Angabe im Video)
- Schere und ggf. Pinzette zum Abziehen des überschüssigen Mylar

Profi-Tipp: Wer beim Einspannen weniger Druckstellen am Stoff möchte, kann optional mit einem Magnetrahmen für Stickmaschine arbeiten – wichtig ist nur, dass der Stoff plan und fest sitzt.
2.2 Kontrastdenken von Anfang an
Plane zwei Ebenen: 1) Die Mylar-Füllung mit farblich passendem Garn zur Folie, damit der Schimmer nicht „überfärbt“ wird; 2) eine kontrastreiche Kontur, die auf Füllung und Hintergrund deutlich abhebt. So bleibt dein Design aus jedem Blickwinkel lesbar.
2.3 Checkliste Vorbereitung
- Stoff sauber, eben, stabilisiert nach Stoffart (im Video wird keine spezifische Stabilizer-Sorte genannt)
- Mylar größer zuschneiden als das Motivfeld
- Garnfarben: Füllung farblich zum Mylar passend, Konturfaden kontrastierend
- Werkzeug bereit: Schere, ggf. Pinzette
- Datei im passenden Rahmenmaß vorhanden
Achtung: Vermeide übermäßige Wärmequellen in der Nähe – Mylar reagiert empfindlich auf Hitze.
3 Einrichtung der Maschine & Datei
3.1 Maschine vorbereiten
Spanne den Stoff sauber ein. Die Folie kommt erst obenauf, nicht in den Rahmen. Stelle sicher, dass der Nähfuß frei über die Folie gleiten kann und nichts hängen bleibt. Wenn dein Setup instabil ist, hilft eine ruhige, vibrationsarme Ablage.

Kurzcheck: Sitzt der Stoff plan ohne Falten im Rahmen? Wenn ja, kann die Folie später glatt aufgelegt werden.

3.2 Mylar-Design laden
Lade das Motiv in der Projektgröße (im Video wurde 4,16″ erwähnt). Prüfe, ob die Stichreihenfolge erst die Füllung und dann die Kontur stickt. Wenn deine Maschine mit Hilfsumrandungen arbeitet, achte darauf, dass sie die Folie sauber perforieren, damit sie sich nachher entlang der Stiche abziehen lässt.
Profi-Tipp: Für reproduzierbar exakte Platzierung kann eine hoop master Einspannstation helfen – sie ist optional, aber besonders bei Serien nützlich.
4 Schritt-für-Schritt: Mylar sticken
4.1 Mylar auflegen
- Schneide die Folie so zu, dass sie das Motiv großzügig überdeckt.
- Lege die Folie direkt auf den eingespannten Stoff, glatt und ohne Falten.

- Halte die Folie mit den Händen leicht auf Spannung, während die Maschine mit der Füllung startet; so vermeidest du Knitterstellen.

Hinweis aus der Praxis: Die erste Stickpassage perforiert das Mylar und definiert die spätere Abrisskante.
Wenn du ohnehin mit Zubehör aus demselben Ökosystem arbeitest, lässt sich die Folie auch in Verbindung mit einem dime Snap Hoop Magnetrahmen gut kontrollieren, solange du darauf achtest, die Folie nicht einzuquetschen.
4.2 Füllung sticken lassen
Die Maschine stickt zuerst die Mylar-Füllung. Verwende hierzu ein Garn, das farblich dem Mylar entspricht (Gold zu Gold, Silber zu Silber usw.). Dadurch wirkt die Fläche homogen und der Glanz tritt hervor, statt von einer Fremdfarbe dominiert zu werden.
Achtung: Kein Metallic-Garn nötig – der metallische Effekt kommt vom Mylar. Mischungen aus Metallic-Garn und Mylar können den Fadenlauf unnötig erschweren.
4.3 Rope-Kontur sticken
Nach der Füllung folgt die Kontur (Rope Stitch). Diese liegt sichtbar über der glänzenden Fläche. Wähle hier eine deutlich kontrastierende Farbe, die sowohl zur Füllung als auch zum Hintergrund passt.
Kurzcheck: Ist die Kontur deutlich erkennbar und hebt sich vom Hintergrund ab? Wenn ja, ist dein Kontrast richtig gewählt.

4.4 Überschüssiges Mylar abziehen
- Nach dem Sticken das Projekt im Rahmen lassen.
- Das ungestickte Mylar ringsum vorsichtig fassen und entlang der perforierten Kante abziehen. Große Stücke mit den Fingern, kleine Reste bei Bedarf mit einer Pinzette lösen.

- Ergebnis prüfen: Mylar darf nur dort sichtbar sein, wo die Füllung es freigibt; außen soll nichts mehr glänzen.

Wer häufig Projekte mit engem Feld stickt, kann sich das Handling beim Einspannen mit einem mighty hoop Magnetrahmen 5.5 erleichtern – wichtig bleibt, die Folie erst nach dem Einspannen aufzulegen.
4.5 Schrittfolge kompakt
- Stoff sauber einspannen
- Mylar großzügig und glatt auflegen
- Farbfolge: 1) Füllung (passend zum Mylar), 2) Kontur (sichtbarer Kontrast)
- Abziehen des ungestickten Mylar außerhalb der stickten Bereiche
5 Kontrast, Garnwahl & Designwirkung
5.1 Warum „passend + kontrastierend“?
- Füllgarn passend zur Folie: So bleibt der Glanz rein und „sauber“.
- Konturfaden kontrastierend: Er gibt dem Motiv Kante und Lesbarkeit, statt zu „verschwimmen“.
Beispiele zeigen: Silber auf Blau mit ähnlicher Kontur wirkt flächig; Gold auf Schwarz mit kontrastierender Kontur ist gestochen scharf.
Wenn du mit einem klassischen Magnetrahmen arbeitest, prüfe vorab noch einmal die genaue Position, damit die Kontur später nicht zu knapp an die Rahmenkante gerät.
5.2 Hintergrundstoff mitdenken
Dunkle Hintergründe lassen helle Mylar-Farben stark leuchten; bei mittleren Tönen kann die Wirkung etwas neutraler ausfallen. Da Mylar Licht spiegelt, ändert sich die Wahrnehmung je nach Blickwinkel – die Kontur bleibt deine visuelle Ankerlinie.
Wer mehrere Motive in Serie platziert, profitiert von einer präzisen Einspannstation; sie beschleunigt Wiederholungen und reduziert Lagefehler.
6 Digitalisieren: Mylar-Füllung und Rope Stitch
6.1 Workflow in Kürze
Im gezeigten Beispiel wird Dime-Software verwendet. Der Ablauf: SVG-Grafik importieren, Kontur extrahieren, Hauptform als Mylar-Füllung anlegen, Kontur in Rope-Stich umwandeln, Länge auf 2,5 mm einstellen und die Rope-Kontur über die Füllung legen.

Profi-Tipp: Achte darauf, dass die Füllstruktur Mylar-tauglich ist – sie soll den Schimmer zeigen und nicht zu dicht schließen.

6.2 Einstellungen für Rope Stitch
Die Kontur kann als doppelter oder dreifacher Rope-Stich angelegt werden; im Video wird die Stichlänge auf 2,5 mm eingestellt. Lege die Kontur final über die Mylar-Füllung, damit sie optisch die Form schließt. Prüfe am Bildschirm die Größe für deinen Rahmen.

Wenn du mit Janome arbeitest, lohnt der Dateicheck gegenüber deiner Rahmengröße – unabhängig davon, ob du konventionelle Janome-Rahmen oder einen Stickrahmen für janome verwendest, sollte die Arbeitsfläche exakt passen.
7 Pflege: Waschen, Trocknen, Hitze vermeiden
7.1 Grundregeln
- Kein Bügeln direkt auf Mylar
- Schonend waschen, auf links drehen
- Beim Trocknen Hitze vermeiden (keinen heißen Trockner)
Diese Regeln bewahren die Folienoberfläche vor Schrumpf, Wellen oder Mattierung.
Achtung: Hitze ist der häufigste Grund für Schäden an Mylar – schon eine zu heiße Trockenstufe kann die Optik ruinieren.
7.2 Haltbarkeit im Alltag
Mylar ist robust genug für Deko, Taschen oder saisonale Textilien. Bei stark beanspruchter Kleidung gilt: je sanfter die Pflege, desto länger behält der Glanz seine Tiefe.
Für sauberes Einspannen auf engen Flächen kann ein mighty hoops Magnetrahmen nützlich sein; beachte jedoch, dass die im Video gezeigten Pflegehinweise unabhängig vom Rahmen gelten.
8 Ergebnisse & Ideen mit Organza
8.1 Ergebnisbilder lesen
Das Gold auf Schwarz liefert eine klar definierte, glänzende Fläche mit deutlich sichtbarer Rope-Kontur. Diese Kombination eignet sich hervorragend für dekorative Akzente auf Accessoires oder saisonalen Textilien.
Aus den Kommentaren: Es gab Begeisterung über den Glanz – ein Hinweis darauf, wie stark Licht und Kontrast den Wow-Effekt prägen.
8.2 Organza als Ausblick
Kurz vorgestellt wird außerdem eine Organza-Stickerei mit Schneeflocken, gedacht als Einsatz am Ärmel eines blauen Sweatshirts. Organza dient häufig zugleich als stabilisierende Lage für empfindliche Stoffe wie Seide oder Satin, bleibt dabei aber transparent und leicht.


Wenn du gern mit modularen Systemen arbeitest, lässt sich Organza ebenso sicher spannen – unabhängig davon, ob du klassische Rahmen oder einen Magnetrahmen für brother im Einsatz hast; wichtig ist die planes, faltenfreie Auflage.
9 Troubleshooting & Qualitätskontrolle
9.1 Qualitätskontrolle in Etappen
- Nach der Füllung: Schimmert die Fläche gleichmäßig, ohne Falten im Mylar?
- Nach der Kontur: Ist die Linie geschlossen und klar sichtbar?
- Nach dem Abziehen: Gibt es außerhalb des Motivs noch Folienreste? Wenn ja, mit Pinzette nacharbeiten.
Kurzcheck: Wenn Füllgarn und Folie farblich harmonieren und die Kontur kontrastiert, ist das Motiv aus einem Meter Entfernung klar lesbar.
9.2 Häufige Symptome und Abhilfe
- Symptom: „Blob“ ohne erkennbare Details.
- Ursache: Konturfarbe zu ähnlich zur Füllung oder zum Hintergrund.
- Lösung: Deutlich kontrastierende Kontur verwenden.
- Symptom: Wellen/Falten in der Füllung.
- Ursache: Mylar nicht glatt aufgelegt oder beim ersten Stichgang nicht fixiert gehalten.
- Lösung: Folie größer zuschneiden, glattstreichen und beim ersten Durchlauf mit der Hand sanft fixieren.
- Symptom: Folie reißt ungleichmäßig ab.
- Ursache: Perforation durch Stiche zu schwach.
- Lösung: Dicht genug sticken lassen, Kante ggf. mit Konturstich schärfen; beim Abziehen langsam arbeiten.
- Symptom: Mattierung oder Verformung der Folie.
- Ursache: Hitzeeinwirkung beim Bügeln/Trocknen.
- Lösung: Nicht bügeln, mild waschen, auf links, ohne hohe Hitze trocknen.
9.3 Praxisnahe Entscheidungen
- Wenn dein Stoff dicker oder flauschig ist → stärker auf glatte Auflage der Folie achten; sonst → normal fortfahren.
- Wenn die Kontur in der Vorschau kaum sichtbar ist → Konturfarbe wechseln; sonst → Farbwahl beibehalten.
Profi-Tipp: Arbeitest du häufig seriell, kann ein dime Stickrahmen im passenden Format die Wiederholgenauigkeit verbessern – beachte dabei stets die Mylar-Auflage erst nach dem Einspannen.
